MultiProjecting

Über Produktivität aus den verschiedensten Blickwinkeln

Erfahrungen oder Seminare?
Weiterbildung als Selbständiger

7/24/2008 8:40:00 AM CET

Wie kann man als Selbständiger „am Ball bleiben“, die tägliche Arbeit und die Weiterbildung unter einen Hut bekommen? Diese Frage stellt uns Vladimir von perun.net in seiner Blogparade.

Ich bin mit Vladimir einverstanden, dass Weiterbildung für langfristigen Erfolg unverzichtbar ist. Zum Glück gibt es auch eine Menge Möglichkeiten zum Lernen.

Diese Möglichkeiten können wir in 3 Arten einteilen:
1. Lernen „on the Job“
2. Surfen und Lesen
3. „Offizielle Ausbildung“

1. Lernen „on the Job“

In deinem Fachbereich
Während der täglichen Arbeit tauchen immer wieder Herausforderungen auf, die uns dazu zwingen, etwas Neues zu lernen.
Diese Erfahrungen sind wirklich wertvoll, deswegen ist es ratsam, sie nicht nur im Kopf, sondern auch in irgendwelchem schriftlichen Format aufzubewahren. Ob Papier, Notizhefte oder Dateien – es hängt von deinem Geschmack ab. Ein Selbständiger oder eine kleine Firma soll nicht über ein komplettes Wissensmanagementsystem verfügen, aber es ist vorteilhaft, wenn du die entsprechenden Notizen immer schnell finden kannst.
Ich z. B. speichere interessante Code-Teilen in Word-Dokumenten, und ich habe auch kleine Linksammlungen in txt-Dateien.

In Themen wie Management, Zeitmanagement
Nicht nur dem Fachmann, sondern auch dem Manager und dem Unternehmer bietet die tägliche Arbeit zahlreiche Möglichkeiten zum Lernen. (Über die 3 Persönlichkeiten eines Selbständigen kannst du im Buch E-Myth von Michael E. Gerber lesen. Eine Zusammenfassung darüber findest du hier.) Du sollst lediglich deine Arbeit selbstkritisch beobachten, und dir Fragen stellen.
Warum konnten wir dieses Projekt nur 2 Monaten nach der originellen Frist beenden? Warum dauerte das Programmieren dieser Funktion 3 Stunden länger als geplant? Warum kann ich mit Kunde X nicht auf einen Nenner kommen?

Am effektivsten kann man während der Arbeit lernen: der konkrete Fall hilft der Erinnerung, man spürt die Wichtigkeit des Problems. Es ist aber gefährlich, sich ausschließlich auf diese Art des Lernens zu verlassen.


  • Es gibt Probleme, die sich nur selten oder langfristig stellen, trotzdem ganz schöne Schwierigkeiten verursachen können. Nicht überschaubarer Programmcode ist ein typisches Beispiel.

  • „On the Job“ kann man immer wieder neue Erfahrungen sammeln – in Themen, die man bereits kennt, über die man mindestens schon gehört hat. Möchtest du auch über die Innovationen Bescheid wissen, sollst du auch andere Lernens- und Informationsquellen benutzen.
    Sogar in IT-Bereichen kann man Leute treffen, die gewisse Techniken / Softwares in und auswendig kennen, aber nicht offen auf Neuigkeiten sind. Nach einigen Jahren stellen sie erstaunt fest, dass ihre Lieblingstechnik nicht mehr zeitgemäß ist, und sie finden kaum einen Job / Auftrag.



2. Surfen und Lesen
In diesem Blog habe ich schon mehrmals darüber geschrieben, wie nützlich ich „Browsing“ finde.
Du surfst im Netz, liest einige Artikel, besuchst die Lieblingsblogs, lernst einige neue Seiten kennen (zum Beispiel dank Kommentare und Empfehlungen). Es macht Spaß, und du kannst eine Menge Tipps lesen, Ideen sammeln, neue Dinge kennenlernen. Dasselbe ist auch offline möglich sowohl in einer öffentlichen Bibliothek, als auch in der eigenen Sammlung.
Da man in diesem Fall nur liest und kein konkretes Erlebnis hat, kann man dem bloßen Gedächtnis noch weniger vertrauen. Ist dir eine neue Idee eingefallen? Empfiehlt jemand ein Buch? Hast du ein interessantes Blog gefunden, deren Beiträge du auch später lesen willst? Mach Notizen, und versuche sie so strukturiert wie möglich zu speichern.
Im besten Fall kannst du nicht nur Notizen schreiben, sondern eine konkrete Aufgabe in dein Zeitmanagementsystem. Zum Beispiel: „Unit Testing in .Net ausprobieren“ oder „Eintrag zur Blogparade über Weiterbildung verfassen“
Während meines täglichen Websurfens sind die folgende Dateien immer geöffnet: To_read_watch.xls (eine Excel-File, wo ich die zu lesenden Bücher und die zu sehenden Filme speichere), eine Visio-Datei mit meinen Mindmaps und mein Zeitmanagementsystem.
Diese Files benutze ich schon ganz diszipliniert. Wenn ich ein Buch lese, kommt es oft vor, dass ich überhaupt keine Notizen mache, oder mein Papier verliere. Dazu soll ich noch etwas herausfinden…

3. „Offizielle Ausbildung“
Unter „offiziellen Ausbildung“ verstehe ich alle Arten von organisierten Seminaren, und Trainings. Sie haben den Vorteil, dass sie dich dazu zwingen, dich mit deiner Weiterbildung zu beschäftigen. Der Nachteil ist, dass der Lehrstoff nicht von dir zusammengestellt ist, und du musst oft auch für dich nicht relevante Sachen lernen. Sie kosten mehr Geld, aber nicht unbedingt mehr Zeitaufwand als die anderen Lernmethoden.
„Offizielles Lernen“ kann in vielen Situationen nützlich sein, aber es ist allein nicht wirksam. Großunternehmen geraten oft in diese Falle. Sie veranstalten einen Seminar, schicken einige Mitarbeiter zu verschiedenen Kursen und Schulen, und sie denken, dass Weiterbildung damit „erledigt“ ist. Um wirkliche Kenntnisse zu schaffen, muss man aber die „offizielle Ausbildung“ mit „on the Job“ Erfahrungen oder mit Browsing im Thema ergänzen. Im Idealfall mit beiden.


Und jetzt sehen wir etwas Konkretes!
Woraus lerne ich in verschiedenen Bereichen?
Ich freue mich auf deine Tipps in der Kommentar-Sektion: welche Webseiten, Bücher kannst du in meinen Themen empfehlen?

Als Software-Entwicklerin
ist „on the Job“ Lernen unvermeidbar, Google ist ein zuverlässiger Kollege. In CodeProject fand ich schon oft sowohl Lösungen auf konkrete Probleme, als auch interessante Artikel während Surfen.
IT-Fachbücher lese ich besonders langsam, meistens verbringen die Bände der Bibliothek einige Monaten bei mir. Refactoring (von Fowler & Co.) und Effective C# (von Bill Wagner) fand ich toll.

In Business- und Managementbereichen
hatte ich bis 2. Juli offizielle Ausbildung an der Uni. Um auch nach dem Abschluss meines Studiums „am Ball zu bleiben“, und weil es mir Spaß macht, lese ich Fachbücher. Zum Beispiel jene, die auf meiner A-Z Businessbücherliste erscheinen.
Ich kenne nicht viele „echte Business-Blogs“. (Kannst du mir ein gutes empfehlen?) Ich bin Stammleserin des Blogs von www.best-practice-business.de, Selbständig im Netz und Seth Godin’s Blog.

In Bereichen Zeitmanagement und Produktivität
verwende ich oft Business- und Managementtipps.
Ich lerne viel durch das Analysieren meiner Erfahrungen. Manchmal berichte ich sogar darüber in einem Post. Auch in Blogs (z. B. imgriff oder KarriereBibel) kann ich häufig gute Tipps finden.

Als Blogverfasserin
muss ich mich auch weiterbilden, damit du immer bessere, schönere, ausdrucksvollere usw. Schriftwerke auf dieser Seite findest. :-)
Das Blog Write to Done ist zurzeit nicht aktiv, aber im Archiv gibt es viele lesenswerte Tipps. Diesen Artikel über Selbstlektorat fand ich auch nützlich. Ich habe vor, auch einige Bücher im Thema zu lesen.

Die Vielfältigkeit der Methoden und Quellen erhöht die Effektivität des Lernens. Kombinierst du Erfahrungen, Browsing und offizielle Trainings miteinander, und probierst du oft etwas Neues aus, wirst du sicherlich sehr viel als Selbständiger lernen.

Ich warte auf deine Gedanken und Tipps in der Kommentar-Sektion. Bis 31. Juli kannst du auch am Blogkarneval teilnehmen.



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