Das ewige Dilemma des Multiprojecters: multitasken oder nicht?
Sie haben höchstwahrscheinlich schon erraten, dass der Begriff "Multiprojecting" aus dem Wort "Multitasking" stammt.
Wenn man ständig an mehreren Projekten arbeitet, und immer eine Menge Termine und Aufgaben hat, fragt man sich früher oder später: könnte ich einige von diesen Aufgaben nicht parallel erledigen? Die Antwort ist natürlich, es hängt von ab.
Multitasking generierte riesige Debatten, seitdem dieser Begriff zum ersten Mal geschrieben wurde. Einige sagen, dass es etwas Fantastisches ist, denn es unsere Produktivität erhöht, andere halten es für schrecklich, da wir, Menschen nicht fähig sind, uns parallel auf mehrere Sachen zu konzentrieren. Beide Seiten haben etwas Recht, und beide Seiten ignorieren wichtige Umstände.
Zum Beispiel, dass es eine Menge Aufgaben gibt, die keinen großen Grad von Konzentration anfordern.
Zuerst kommen mir einige Haushaltsaktivitäten und die Ausfüllung verschiedenen Formularen in den Sinn, aber Sie können sicherlich andere solche Tätigkeiten aus Ihrer Praxis benennen.
Sowohl die Befürworter, als auch die Gegner von Multitasking benutzen gern Beispiele aus dem Bereich Autofahren. Wir werden auch so tun, denn Autofahren ist eine ganz alltägliche Tätigkeit, die viele Eigenschaften von Multitasking ganz gut demonstriert.
Beginnen wir mit einem Experiment von Wissenschaftlern an der Utah-University, das zeigte, dass ein Telefongespräch während dem Autofahren die Reaktionszeit bedeutend erhöht. Zwar benutzten die Versuchspersonen eine Freisprecheranlage, reagierten sie so langsamer, als ob sie ein bisschen getrunken hätten. Die Folgerung: man kann gleichzeitig nicht sowohl auf das Gespräch, als auch auf das Fahren entsprechend konzentrieren.
Es gibt aber Fahrer, die es ausgesprochen mögen, einen Mitfahrer im Auto zu haben, und mit ihm / ihr plaudern. Besonders während einer langen Fahrt ist es gut, die Stimme von jemandem hören, damit man nicht einschläft. Wichtige Besprechungen erledigt man aber – normalerweise – nicht im Auto. Und das kann die "Regel" No. 1. des effektiven Multitaskings sein: eindeutige Prioritäten haben. In erster Linie fahre ich jetzt, und daneben spreche ich mit dir ein bisschen. Jetzt schreibe ich diesen Artikel, und ab und zu mache ich kleine Ausdehnungsübungen als „Nebentätigkeit“. Diese Übungen sind nicht so effektiv, wie jene, die man im Fitnessraum ganz konzentrierend ausführt, aber sie helfen etwas.
Vergessen wir jetzt Freisprecheranlagen und redselige Mitfahrer, denn Autofahren selbst ist eine Art Multitasking. (Denken Sie nur an die ersten Stunden, als Sie begannen, fahren zu lernen!)
Der Fahrer muss das Fahrzeug handeln, den Verkehr beobachten, und ziemlich oft auch einen Blick auf dem Armaturenbrett werfen. Es ist kein Zufall, dass nur Leute, die die Grundfahraufgaben ohne Problemen leisten können, dürfen im Straßenverkehr fahren. Dieser Prinzip kann auch in anderen Fällen von Multitasking angewendet werden: wenn etwas zur Routine geworden ist, kann es als Nebentätigkeit ausgeführt werden. Verkehren selbst kann aber nie zur Routine werden,…
weil es eine Interaktion mit anderen Menschen ist.
Der Fahrer muss die anderen Teilnehmer des Verkehrs beobachten und auf ihre Täte –manchmal ziemlich schnell – reagieren. Und da wir nie wissen, was für Überraschungen die andere Fahrer, Fußgänger, Radfahrer uns bereiten, kann sogar der beste und erfahrene Chauffeur nicht als Routine verkehren.
Wenn eine Tätigkeit Interaktion mit anderen Menschen beinhaltet, kann sie nur sehr selten als Routine betrachtet werden. Grundregel: normalerweise müssen auch die anderen Teilnehmer der Interaktion wissen, dass sie Ihre vollständige Aufmerksamkeit nicht haben. Der Mitfahrer im Auto ist zum Beispiel in diesem Situation: normalerweise versucht er / sie, einfach zu plaudern, und nicht die Idee des Jahres dem Fahrer zu präsentieren.
Manchmal hat man doch eine kleine Zwangspause während einer konzentrierten Tätigkeit. Der Gesprächspartner muss zum Telefon, der Rechner kalkuliert langsam usw. Wenn dieser Absatz einmalig ist, kann man einfach eine Pause machen. Wenn es aber mehrmals innerhalb einer Stunde geschieht, ist es normal, dass man diese kleinen Zeitspannen effektiv benutzen möchte. Unsere Empfehlung: wenn es möglich ist, machen Sie etwas, was mit Ihrem aktuellen „Haupttätigkeit“ zusammenhängt. Während der Gesprächspartner weg ist, machen Sie einige Notizen, denken Sie nach, was Sie noch besprechen sollen.
Ich als Software-Entwicklerin habe oft mit dem Computer solche Probleme. Besonders während Testen kommt es häufig vor, dass man auf das Ergebnis warten muss, und keine Ahnung hat, wie lange es dauern wird. Früher öffnete ich in solchen Situationen meine Mailbox, oder las einige Artikeln. Jetzt versuche ich mich mit der aktuellen Anwendung beschäftigen. Obwohl ich während Testen den Programmkode nicht verändern kann, gibt es mehrere Möglichkeiten: nach einem Problem (zum Beispiel der Langsamkeit :-) googlen oder einfach Notizen machen.
Immer wenn Sie Multitasking ausführen wollen, oder einfach bemerken, dass Sie jetzt gerade multitasken (ohne vorläufige Planung), stellen Sie sich zwei Fragen. Erstens: was mache ich jetzt eigentlich? Was ist meine Haupttätigkeit? Auf diese Frage gibt es immer nur eine korrekte Antwort. Zweitens: was sind meine Nebentätigkeiten? Sind sie wirklich Routineaufgaben oder unwichtige Sachen? Würden Sie nicht mehr Aufmerksamkeit von mir brauchen? Wenn Sie diese Fragen mit gutem Gewissen beantworten können, bedeutet Multitasking kein Problem. Im Grundfall ist es aber besser, auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren.